»Das Leben ist ein Fest« Interview

Informationen und Karten kaufen: www.deister-freilicht-buehne.de


Das Leben ist ein Fest: Die Bühnenversion der gefeierten französischen Kinokomödie läuft im Sommer 2025 auf der Deister-Freilicht-Bühne in Barsinghausen (Region Hannover). Ursprünglich sollte das Stück schon 2020 gespielt werden – es wäre die Uraufführung der Theaterfassung gewesen. Corona hatte das damals verhindert. Umso mehr freuen wir uns, dass es jetzt doch geklappt hat und wir die witzige und berührende RomCom zeigen können.

 

Schon anlässlich der geplanten Uraufführung hatten wir mit Theaterautor Stephan Eckel gesprochen, der den Film für die Bühne übertragen hat. Die Aussagen haben nichts an Aktualität verloren.

 

Herr Eckel, Sie haben die Theaterfassung für die französische Filmkomödie »Das Leben ist ein Fest« geschrieben. Wie kam es dazu?

 

Mein Verlag hat im Sommer 2019 angefragt, ob ich an der Bearbeitung des Stoffes interessiert wäre. Ich kannte den Film schon aus Frankreich, bin damals im Kino gewesen, schon allein deshalb, weil es der Nachfolger von »Ziemlich beste Freunde« war.

 

Sie haben als Theaterautor viele Komödien verfasst, dazu Schauspiele, Thriller und Comedy-Programme. Das waren immer Originaltexte von Ihnen. Mit »Das Leben ist ein Fest« haben Sie erstmals einen fremden Stoff für das Theater adaptiert. Was war die größte Herausforderung?

 

Das Schwierigste war das Kürzen der verschiedenen Handlungsstränge und die Verschlankung der Figurenzahl. Das Drehbuch ist ausgesprochen weitschweifig und personenintensiv, das kann man nicht ohne Weiteres eins zu eins auf die Bühne bringen. Da hilft es natürlich, wenn man schon vorher viel in dem Bereich geschrieben hat. Ich weiß genau, wie lang eine Szene sein darf und worauf man achten muss, damit sie auch funktioniert.

 

Was macht für Sie den Reiz der Geschichte aus?

 

Das Chaos, welches in relativ kurzer Zeit entfesselt wird, und wie die Figuren darauf reagieren. Ob sie sich dem entgegenstellen, oder es nur noch schlimmer machen. Das Letztere geschieht hier recht plastisch, entweder durch offensichtliche Unfähigkeit oder totale Ignoranz. Da bleibt beim Zuschauen kein Auge trocken.

 

Der Film erzählt von mit sich selbst unglücklichen Menschen, für die sich in jener chaotischen Hochzeitsnacht plötzlich neue Chancen ergeben. Was haben Sie für die Bühnenfassung verändert? Welche Schwerpunkte setzen Sie?

 

Ich würde diese Menschen nicht als unglücklich bezeichnen. Denn wenn man unzufrieden mit seinem Leben ist, der Leidensdruck zu groß wird, ändert man ja etwas daran. Ich denke, die Geschichte geht nur deshalb so gründlich schief, weil kaum einer der Figuren das, was er an dem Abend tun soll, wirklich gelernt hat. Ein Umstand, der typisch für Frankreich ist, dem Land der ewigen Provisorien. In der Bühnenfassung musste ich viel in die Dialoge eingreifen, da der Wortwitz des Originals nicht so ohne Weiteres ins Deutsche übertragbar ist. Schwierig, dass dabei nichts von der Komik verloren geht. Als Schwerpunkt des Stückes sehe ich die Beziehung der Personen untereinander und deren Wandlung. Aus dieser wilden Nacht geht kaum jemand ohne Veränderungen hervor, nichts bleibt wie es war.

 

Welche Charaktere sind Ihnen besonders ans Herz gewachsen? Und gibt es auch Figuren, von denen Sie sagen: Hoffentlich werde ich nie so?

 

Ich mag besonders Max, den Chef der Truppe. Ich habe jahrelang in Werbeagenturen gearbeitet und weiß, wie es sein kann, ein kreatives Chaos in geordnete Bahnen lenken zu müssen. Keine einfache Aufgabe, man muss auch mal hart durchgreifen. Unter Druck ist die Gefahr dabei groß, dass man sich gegenüber seinen Mitarbeitern unfair verhält. Und genau auf solche Situationen schaut man dann irgendwann, mit einigem Abstand, zurück und sagt zu sich selbst: Hoffentlich werde ich nie so.

 

Das Stück spielt in Frankreich. Ein Land, zu dem Sie eine besondere Beziehung haben.

 

Wenn ich an einem Projekt arbeite, gibt es irgendwann den Punkt, an dem ich mich nach Frankreich zurückziehe, um es in Ruhe zu beenden. Kein Telefon, keine E-Mails – herrlich! Nur hin und wieder mal abends ein Theaterbesuch. Die Komödie hat bei unseren Nachbarn einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland, steht dem zeitgenössischen Drama in nichts nach. Besonders für die neuen, angesagten Produktionen ist es schwierig, an gute Karten zu kommen.

 

Ihre Fassung wird in Barsinghausen open-air gespielt. Passt das Stück zum Ambiente einer Freilichtbühne?

 

Dafür habe ich es adaptiert, die Deister-Freilicht-Bühne Barsinghausen ist genau der richtige Rahmen für das Stück. Denn es geht ja um eine opulente Hochzeitsfeier mit vielen Gästen, gutem Essen, Wein, Musik und Tanz unter freiem Himmel. Etwas Besseres hätte ich mir da gar nicht vorstellen können!


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